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Verrauchter Start ins Leben

rauchende Schwangere

In den Windeln Neugeborener zeigt sich das Rauchverhalten ihrer Mütter.

Neugeborene offenbaren in ihrer ersten Windel die Rauchgewohnheiten ihrer Mütter während der Schwangerschaft. Das haben US-Wissenschaftler herausgefunden, als sie die Ausscheidungen von mehr als 300 Babys untersuchten. Sie fanden Abbauprodukte von Tabak anhand derer sie die Dauer und Intensität des mütterlichen Rauchens beziehungsweise Passivrauchens feststellen konnten. Besonders beim Nachwuchs aktiv rauchender Müttern waren die Werte deutlich erhöht und die Neugeborenen wogen bis zu 200 Gramm weniger. Mit der Untersuchung des Babystuhls sei es in Zukunft auch möglich, andere Umweltgifte zu erkennen, denen Ungeborene ausgesetzt waren.

Das sogenannte Mekonium ist der erste Stuhl, den ein Baby in den ersten 24 bis 48 Lebensstunden ausscheidet. Er wird auch Kindspech genannt und ist kein Verdauungsendprodukt, sondern eine zähe und dunkle Masse, die sich im noch funktionslosen Darm des Neugeborenen angesammelt hat. Medizinern war bereits bekannt, dass Tabakkonsum während der Schwangerschaft beispielsweise den Kopfumfang und das Gewicht von Babys beeinflusst. Zudem steigert eine erhöhte Konzentration des Nikotin-Abbauprodukts Cotinin das Risiko für später auftretende Atemwegserkrankungen.

Die Mediziner haben nun die Rauchgewohnheiten von 337 Frauen abgefragt und sie mit den Mekoniumproben der Neugeborenen verglichen. Die Forscher notierten sowohl die Anzahl der von den Schwangeren selbst gerauchten Zigaretten, als auch die von anderen Personen in der unmittelbaren Umgebung. "Zudem haben wir das Geburtsgewicht der Babys betrachtet, weil dieses sich je nach Cotinin-Konzentration verändert", erklärt Joe Braun von der University of North Carolina in Chapel Hill.

Es zeigte sich: Die Konzentration von Nikotin und dessen Abbauprodukten im Mekonium der Neugeborenen war bei Müttern besonders hoch, die während der Schwangerschaft geraucht hatten. Auch bei Kindern von Passivraucherinnen waren die Werte erhöht. Besonders deutlich war der Anstieg, wenn ein Embryo dem Tabakrauch in der späten Schwangerschaftsphase ausgesetzt worden war. Außerdem waren die Babys von aktiv rauchenden Frauen bei der Geburt um bis zu 200 Gramm leichter als der Nachwuchs von Nichtraucherinnen.

"Mit vergleichbaren Analysen lassen sich in Zukunft vielleicht auch andere Umweltgifte bestimmen, denen Ungeborene während der Schwangerschaft ausgesetzt waren", sagt Braun. Im Mittelpunkt des Interesses stehen dabei besonders Bisphenol A (BPA) und Phthalate, Rohstoffe für die Herstellung von Kunstharzen und Kunststoffen. Zahlreiche Forscher vermuten, dass sich BPA negativ auf die Fruchtbarkeit auswirkt. Das Mekonium könne dabei helfen, mögliche Beeinträchtigungen der Gesundheit von Neugeborenen früh zu erkennen. Zunächst seien allerdings weitere Untersuchungen nötig.

Joe Braun (University of North Carolina, Chapel Hill, USA) et al.: Environmental Health, Bd. 9, Nr. 52

Text: wissenschaft.de / Bild: bilderbox.com






30.08.2010

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